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Benrather Rathaus

Von: Karlheinz Gromöller, Herbert Koszarek

Vorgeschichte

Bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation im Jahr 1806
war die Grafschaft bzw. das Herzogtum Berg durch die Ämterverfassung organisiert.

Das Pfarrdorf Benrath mit den Höfen in Hassels, der Reisholzer Gemark und mit
der späteren Honschaft Urdenbach war Teil des Gerichts Himmelgeist im Amt
Monheim. Im 16. Jh. vereinigte sich das Gericht mit dem Gericht Urdenbach, was
wohl bedeutete, daß der Gerichtssitz ganz nach hier verlegt wurde. Das Gerichts-
gebäude „op der Urdenbach“, oberhalb des Urdenbachs, der heutigen Itter, ist als
Haus Urdenbacher Dorfstraße erhalten. Als Baujahr gilt das Jahr 1535.
Himmelgeist mit Wersten, Itter mit Holthausen und Benrath mit Urdenbach bildeten
das Monheimer Unteramt, d.h. die nördl. Hälfte des Amtes. Garath zählte nicht zum
Gerichtsbezirk Urdenbach.

Mit der Neuordnung des Gemeindewesens im 19. und 20. Jh. bildete sich aus
dieser im 14.Jh. entstandenen Struktur erst die Bürgermeisterei Benrath mit den
alten selbstständigen Gemeinden, dann die Großgemeinde Benrath mit den einge-
meindeten umliegenden Dörfern und Garath als „Rittersitz“ selbstständig gebliebe-
ner Gemeinde. Das Benrather Rathaus repräsentiert die Grossgemeinde Benrath.
Heute sind die alten Dörfer im Bezirk 9 der Landeshauptstadt Düsseldorf zusam-
mengefasst. Das Benrather Rathaus ist der Sitz des Stadtbezirks.


Geschichte des Rathauses Benrath

Das Bauwerk ist nunmehr knapp 100 Jahre alt. Einige der Fakten der Entstehung
und der Wandlung in der Nutzung des Gebäudes sollen hier geschildert werden.

Durch Zeitabläufe bedingt, zwei Weltkriege und die Eingemeindung nach
Düsseldorf im Jahre 1929 sind wesentliche Bauunterlagen nicht mehr vorhanden.
Aufgezeichnet sind einige Erläuterungen, Bekanntes und Unbekanntes zur Ge-
schichte des Rathauses Benrath.

Am 15.4.1814 verfügt der preußische Generalgouverneur, daß die Gemeinde
Benrath, Eller und Hilden die Samtgemeinde Benrath zu bilden haben. Das somit
urkundlich erste Bürgermeisteramt (1. Benrather Rathaus) stand an der Hildener
Str., Ecke Paulistr. und wurde bis 1890 genutzt.

1842 scheiden die Gemeinden Eller und Hilden aus der Gesamtgemeinde Benrath
aus. Ab 1845 erfolgte die Neuordnung nach der Rheinischen Landgemeindeord-
nung. Es bildete sich die Bürgermeisterei Benrath mit den Gemeinden
Himmelgeist-Wersten, Itter-Holthausen, Benrath mit den Siedlungen Reisholz,
Hassels, Paulsmühle, Urdenbach und Garath.

Die Bürgermeister der damaligen Zeiten waren
1814 - 1818 Nicolas von Pigage
1819-1822 Hermann Leven
1822-1842 Frans Albert Schieß
1843- 1864 Peter Leven
1865 1893 Hermann Josten
1894 -1906 Michael Steinhauer

Von 1890 bis 1908 diente das sogenannte 2. Rathaus an der Urdenbacher Allee,
Ecke Hildener Str. als Bürgermeisterei.

1903 erhielt die Bürgermeisterei Benrath Grundstücksschenkungen zum Bau eines
repräsentativen Rathauses. Der Wunsch nach einem solchen Rathaus kann in Zu-
sammenhang mit der Absicht zur Bildung einer Großgemeinde gesehen werden.
Das endgültige Ziel wird die Erlangung der Stadtrechte gewesen sein.

Das durch einen Fluchtlinienplan zur Bebauung ausgewiesene Gelände war erst
wenig bebaut. Durch den Bau des Rathauses im Jahre 1906 wurde die bauliche
Entwicklung wohl deutlich gefördert.

In der Schenkungsurkunde vom 19.9.1903 wurde dem Bürgermeister Steinhauer
von der
Firma Industrieterrains 1922 qm
Herrn Carl Pritschau 47 qm
Herrn Johann Goergens 2830 qm
-----------------------------------------
= gesamt 4.799 qm angeboten.

Die Schenkungsgeber machten handfeste Auflagen was mit den Grundstücken zu
geschehen habe.

Auszug aus § 2 des Vertrages:

Die Schenkung geschieht unter der Auflage , daß auf dem geschenkten Platze ein
Rathaus für die Bürgermeisterei mit Einschluß der Dienstwohnung für den Bürger-
meister zu errichten ist. Sämtliche Außenfronten sollen eine architektonische Aus-
gestaltung, wenn auch in einfachster Form erhalten.
Andere Bauten, insbesondere Gefängnislocalitäten dürfen nicht errichtet werden.

Die Schenkung wurde erst nach dem Beschluß des Bürgermeisterbeirates vom
27.5.1905 mit notariellem Vertrag vom 29.4.1905 angenommen. Vorrausgegan-
gen war eine Änderung des Schenkungsangebotes, wonach doch noch zwei Haft-
zellen für Polizeigefangene mit Rathausneubau verbunden werden durfte.

Im Mai 1905 wurden 3 Baufirmen aufgefordert Pläne für den Neubau des Rat-
hauses vorzulegen. Die Pläne wurden mit 1.000 Mark honoriert, die beiden anderen
erhielten eine Entschädigung von 100 Mark.
Den Auftrag erhielt die Firma Furthmann. Architekt war Walther Furthmann der auch
1900 das Hildener Rathaus erbaute.

Durch Gemeinderatsbeschluß wurden zur Errichtung des Rathauses 180.000 Mark
bewilligt. Am 4.3.1907 wurde der in seinen äußeren Formen, wie nach seiner
inneren Einrichtung in schlichter Vornehmheit gehaltene Bau, in Gegenwart des
Kgl. Reg. Präsidenten und weiteren Honorationen feierlich seiner Bestimmung
übergeben. Die gesamte Verwaltung konnte bereits Mitte Januar 1907 den Neu-
bau beziehen.

Dem Rathaus gegenüber entstand das Gasthaus “Zum Neuen Rathaus“. Der Bau
wiederholt die Gestaltungselemente des Rathauses. Das Walter Furthmann auch
hier als Architekt tätig war ist anzunehmen.
Es ist zu bedaueren, daß mancher Eingriff im Laufe der Jahrzehnte wertvolle Details
verloren gehen ließ. Dies gilt insbesondere für den markanten Turmaufsatz.

Größere Restaurierungsarbeiten im wesentlichen innen, fanden auf Anregung der
Bezirksvertretung 1971-1973 statt. Wichtiger und schönster Raum des Gebäudes
war und ist der Sitzungssaal. Nach der Eingemeindung im Jahre 1929 wurde der
Saal zwischen 1931 - 1963 von der Stadt-Sparkasse genutzt.
Von 1964 bis 1972 Büroräume des Bauaufsichtsamtes hier untergebracht. Nun-
mehr tagt hier die Bezirksvertretung als auch die Volkshochschule und andere
interessierte Vereine nutzt diesen Raum für repräsentative Veranstaltungen.
Der Kostenaufwand für die Gesamtbaumaßnahme lag bei 840000,--DM.

Bei Untersuchungen vor der Renovierung konnten unter mehreren alten Anstrichen
Spuren einer starken ornamentalen Wandbemalung festgestellt werden. Geblieben
ist die Holzdecke, die Wappenfenster sowie die Kaminwand mit den Gemälden von
Schloß Benrath. Diese Gemälde wurden erst im Jahre 1913 aufgehängt. Der Er-
werb der Schloßbesitzungen im Jahre 1911 hatte einige auf diese Tat stolze Bürger
und Industrielle zur Schenkung von zwei Schloßansichten - speziell für den Ge-
meindesaal - veranlaßt. Im Auftrage der Herren Julius Müller, Kommerzienrat
Henkel , A. Flender, Nebe, Leysieffer, Bünger jr. und der Industrieterrains schuf
Heinrich Hermann 1912 diese Bilder.

Die Eintragung in die Denkmalliste erfolgte 1984.
Die baugeschichtliche Beschreibung des Gebäudes nennt folgende Stilelemente:
- Variante eines mittelalterlichen Stufenportals und wehrgangartige Eckbetonung
des Gebäudes.
- Kreuzstockfenster und Zwerchhäuser mit volutenverzierten Treppengiebeln aus
der Zeit der deutschen Frührenaissance.
- Elemente des Jugendstils im Dekor der Fassade und der Innenausstattung.
Als dreiflügelige, freistehende Anlage, eingebettet in Grünanlagen und weitestge-
hend umgeben von zeitgenössischen Bauten, repräsentiert das Rathaus die
industriell geprägten Großgemeinde des frühen 20.Jh.

Heute sind im Rathaus Benrath folgende städt. Dienststellen untergebracht:
Versicherungsamt, Standesamt, Bürgerbüro (Meldestelle), Sozialamt, Nebenstelle
des Gesundheitsamtes und Bezirksverwaltungsstelle 9.
Dauernutzer von Mehrzweckräumen sind die Bezirksvorsteher des Stadtbezirks 9,
die Fraktionen der Bezirksvertretung 9, der Reichsbund der Kriegs- und Zivilbe-
schädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen (Reichsbund) und der Verband der
Kriegs- und Wehrdienstopfer, Behinderten- und Sozialrentner (VDK) und das
Archiv der Heimatgemeinschaft Groß - Benrath.


Quellen:

Theo Fühles, "Das Benrather Rathaus", Benrath Historisch Band 8;
Peter Müller, "Von den Landgerichten Himmelgeist und Urdenbach zur Gründung
der Bürgermeisterei Benrath 1908", Benrath Historisch Band 15, 1999